75 Einsätze in der Nacht – und die Sturmflut kommt erst noch

75 Einsätze in der Nacht – und die Sturmflut kommt erst noch

Sturm über Dithmarschen: 75 Einsätze in der Nacht 

Sturmtief „Manja" hat in der Nacht zu Sonntag über Schleswig-Holstein für mindestens 75 wetterbedingte Einsätze von Feuerwehr und Polizei gesorgt. Nach Angaben der Leitstellen waren vor allem zwei Kreise betroffen: Ostholstein und Dithmarschen. Der Sturm riss zahlreiche Bäume und Verkehrsschilder um, außerdem wurden Zäune beschädigt. Größere Schäden oder Verletzte gab es nach Behördenangaben nicht.

Stand: Sonntag, 25. Oktober 2026. Und die Lage ist noch nicht vorbei – im Gegenteil.

Was heute noch gilt

Der Deutsche Wetterdienst hat für den Kreis Dithmarschen mehrere amtliche Warnungen herausgegeben, die über den Tag gestaffelt laufen:

Warnung Stärke Gültig
Starkes Gewitter schwere Sturmböen bis 100 km/h (Bft 10), in Schauernähe um 85 km/h 25.10., 10:00 – 18:00 Uhr
Sturmböen 55 – 70 km/h (Bft 7 – 8), Südwest 25.10., 15:45 – 16:45 Uhr
Windböen um 55 km/h (Bft 7), West 25.10., 18:00 – 26.10., 06:00 Uhr
Nordsee / Küste schwerer Sturm bis orkanartige Böen, 100 – 120 km/h (Bft 11 – 12), exponiert bis 130 km/h Höhepunkt Sonntagnachmittag

Die Handlungsempfehlungen sind eindeutig: Aufenthalte im Freien vermeiden, lose Gegenstände sichern, Zelte und Abdeckungen befestigen und auf herabstürzende Äste und umherfliegende Gegenstände achten. Wer heute nicht raus muss, bleibt am besten drin.

Die Sturmflut steht erst noch bevor

Der wichtigste Punkt für alle an der Küste: Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) warnt vor einer Sturmflut an der deutschen Nordseeküste – und zwar in der Nacht von Sonntag auf Montag. Erwartet wird ein Hochwasser, das 1,5 bis 2 Meter über dem mittleren Hochwasser aufläuft. Es wäre die erste Sturmflut der Saison.

Was Wann Erwartung
Erste Sturmflut der Saison Nacht Sonntag auf Montag 1,5 – 2 m über mittlerem Hochwasser
Mögliche weitere leichte Sturmflut Montagmittag Gefahr für Strände und Hafenflächen

Wer an der Küste wohnt oder dort Anlagen, Boote oder Fahrzeuge stehen hat, sollte die aktuellen Wasserstände im Blick behalten – das Land Schleswig-Holstein stellt sie laufend bereit: Hochwasser- und Sturmflut-Information Schleswig-Holstein.

Der Großbrand von Nordermeldorf fiel mitten in den Sturm

In der Nacht zu Sonntag ist in Nordermeldorf ein Wohnhaus mit Scheune und Garage abgebrannt. Nach Angaben der Leitstelle brach das Feuer gegen 2 Uhr aus, etwa 100 Einsatzkräfte kämpften gegen die Flammen. Der Sturm erschwerte den Großeinsatz erheblich. Am Vormittag liefen noch die Nachlöscharbeiten.

Einsatz Angaben
Ort Nordermeldorf, Kreis Dithmarschen
Zeitpunkt Nacht zu Sonntag, ca. 2 Uhr
Betroffen Wohnhaus mit Scheune und Garage
Kräfte etwa 100 Einsatzkräfte
Schaden rund 500.000 Euro (Schätzung der Polizei)
Brandursache unklar, Ermittlungen laufen
Verletzte keine – die Bewohner waren nicht zu Hause

Fähren liegen still, Straßen bleiben dicht

Der Schiffsverkehr an der Westküste ruht seit Tagen.

Verbindung Status Wiederaufnahme
„Funny Girl", Büsum – Helgoland seit Donnerstag eingestellt Schiff geht früher als geplant aus der Saison
„Halunder Jet", Hamburg – Brunsbüttel – Helgoland fällt komplett aus voraussichtlich ab Dienstag, 27.10.

Wer Tickets hat, sollte sich direkt an die Reederei wenden, weil es teils Ersatzverbindungen über Cuxhaven gibt.

Auf der Straße kommt zum Sturm die Baustelle:

Strecke Sperrung Zeitraum
B5 Heide – Hemme Bauarbeiten gehen weiter, winterfest machen der Strecke ab Montag, 26.10.
L236 Odderade – Nordhastedt Vollsperrung nach Unterspülung, Reparatur läuft unbefristet, ca. 14 Tage Bauzeit
L139 Burg – Buchholz Vollsperrung, Buslinien 290 und 291 betroffen 19.10. – 20.11.2026
L153 Barsfleth – Thalingburen Vollsperrung, Buslinie 205 betroffen 12.10. – 31.12.2026

Die Umleitung der L236 führt über Nordhastedt und Albersdorf nach Sarzbüttel und zurück. Wer die Buslinien 290, 291 oder 205 nutzt, sollte die Verkehrsmeldungen der Autokraft prüfen, dort sind Umleitungen und entfallende Haltestellen gelistet.

Drei Wettersituationen in zwei Wochen

Für Dithmarschen ist „Manja" kein Einzelereignis, sondern das dritte in kurzer Folge.

Datum Ereignis Folgen
10./11. Oktober Lang anhaltende Regenfälle Straßen und Keller im Großraum Heide überflutet, in Büsum 42 Liter pro Quadratmeter in zwölf Stunden – landesweiter Höchstwert
18. Oktober Großflächiger Stromausfall bis zu 40.000 Haushalte zeitweise ohne Strom, Brände als Folge der Überspannung, Ursachenanalyse läuft
20. Oktober Beginn der Reparatur an der L236 Fahrbahn auf 40 Metern Länge und sechs Metern Breite muss erneuert werden
24./25. Oktober Sturmtief „Manja" mindestens 75 Einsätze in Schleswig-Holstein, Dithmarschen und Ostholstein am stärksten betroffen

Das ist mehr als Wetter. Ein Kreis, dessen Feuerwehren und Verwaltungen innerhalb von zwei Wochen dreimal in den Ausnahmemodus gehen, kommt irgendwann an den Punkt, an dem es nicht mehr um einzelne Einsätze geht, sondern um Ausdauer. Genau darum wächst auch der Druck, aus den Ereignissen zu lernen: Die Ursachenanalyse des Stromausfalls läuft weiter, und beim Starkregen rückt die Frage nach dem Wasserabfluss an der L236 in den Blick, wo ein Durchlass unter dem Asphalt erst freigelegt werden musste, um den Sanierungsaufwand überhaupt festzustellen.

Was hilft – konkret

Bereich Was zu tun ist
Warnungen Die DWD-Warnungen für den Kreis werden tagsüber mehrfach aktualisiert – nicht nur einmal lesen. Sturmflutwarnungen des BSH: sturmflutwarnungen.de
Wasserstände Vor dem Gang ans Wasser die Pegel und Prognosen prüfen, sie werden im Viertelstundentakt aktualisiert
Nachbarschaft Bei älteren Menschen oder Personen, die auf Elektrizität angewiesen sind, kurz durchrufen – bei Sturm und Stromausfällen ist das oft der Unterschied
Deich Nichts am Deich. Sturmflut ist keine Sehenswürdigkeit – wer zum Schauen fährt, bindet Einsatzkräfte, die anderswo gebraucht werden
Rund ums Haus Mülltonnen, Gartenmöbel, Sonnenschirme, Trampoline und Baustellenplanen sichern oder reinholen – nach jedem Sturm die häufigste Schadensquelle

Ausblick

Ab Montag lässt der Wind nach und bleibt nur noch an der See und auf exponierten Bergen bei Sturmböen. Ab Donnerstag stellt sich nach der Wochenvorhersage des DWD ruhiges Wetter ein. Die Sturmflutgefahr in der Nacht zu Montag bleibt davon unberührt.

Bleibt trocken, kommt gut durch die Nacht – und meldet euch, wenn bei euch etwas passiert ist, das in die Nachrichten gehört.

Quellen

Ort (Karte)

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