Windmühlen, Wassermühlen und eine Schöpfmühle – drei Jahrhunderte Mühlentechnik zwischen Marsch und Geest. Neun davon mit Standort, Karte und Baujahr.
Von den Mühlen des Kreises sind fünfzehn als Denkmal geführt. Sie stehen am Geestrand, wo der Wind kräftig weht, und in der Marsch, wo das Wasser die Räder trieb. Zwei Antriebe, ein Handwerk und eine Landschaft, die ohne sie anders aussähe.
Wer heute eine Mühle in Dithmarschen besucht, findet selten ein Museum. Er findet ein Bauwerk, das noch steht, oft noch mahlt und manchmal noch jemanden, der hineinlässt.
Die Denkmalliste des Landesamts für Denkmalpflege führt fünfzehn Wind- und Wassermühlen im Kreis Dithmarschen. Es sind die Mühlen, deren Baukörper, Flügelkreuz und Innenausstattung so erhalten sind, dass sie als Kulturdenkmal gelten.
Sie verteilen sich über den ganzen Kreis. Am Geestrand stehen die Windmühlen dort, wo der Wind über die Höhen streicht: in Barlt, Eddelak, Hochdonn, Weddingstedt und Windbergen. In der Marsch und an der Küste stehen die Mühlen von Westerdeichstrich und Friedrichskoog. Zwei Wassermühlen liegen im Binnenland, in Albersdorf und Nordhastedt, wo die Bäche genug Gefälle für ein Wasserrad haben.
Die Zahl ist eine Untergrenze, keine Gesamtzahl. Wie viele Mühlen in Dithmarschen tatsächlich noch stehen, lässt sich nicht belegen — manche sind zu Wohnhäusern umgebaut und in keinem Verzeichnis als Mühle geführt.
Die Mühlen in Dithmarschen teilen sich nach dem, was sie antreibt. Die Windmühlen stehen am Geestrand und in der Marsch, wo der Wind frei über das Land streicht. Die Wassermühlen liegen im Binnenland an den Bächen, die von der Geest ins Flachland fallen und genug Gefälle für ein Wasserrad mitbringen.
Unter den Windmühlen gibt es zwei Grundformen. Die Bockwindmühle dreht sich als ganzes Haus in den Wind — sie ist die ältere Bauart und im Kreis kaum noch erhalten. Der Holländer lässt nur die Haube drehen und wird dadurch höher und kräftiger; er hat die Bockmühle im 19. Jahrhundert fast überall verdrängt. Zwei Sonderformen davon kehren im Kreis am häufigsten wieder: der Galerieholländer mit einer umlaufenden Galerie und der Kellerholländer auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel.
Was die Mühlen unterscheidet, ist damit nicht ihr Alter, sondern die Antwort auf zwei Fragen: dreht sich das ganze Haus oder nur die Haube, und kommt die Kraft aus dem Wind oder aus dem Wasser.
Die fünfzehn zählen nur, was unter Denkmalschutz steht. Sie sagen nichts über die Mühlen, die verloren sind: In den Verzeichnissen tauchen immer wieder Standorte auf, an denen heute kein Bauwerk mehr steht — abgebrochen, abgebrannt oder bis zur Unkenntlichkeit umgebaut.
Sie sagen auch nichts über den Zustand. Eine Mühle kann als Denkmal geführt sein und trotzdem stillstehen, weil das Flügelkreuz fehlt oder der Mahlgang ausgebaut ist. Umgekehrt gibt es Mühlen ohne Eintrag, an denen noch gearbeitet wird.
Was bleibt, ist ein Handwerk. Müller gab es in jedem Dorf, und die Mühle war der Ort, an dem das Getreide der Umgebung zu Mehl wurde. Dass fünfzehn Bauwerke davon übrig sind, ist der Rest einer Landschaft, die einmal voller Mühlen war.
Von der ersten Erwähnung der Wassermühlen bis zu den letzten Neubauten der zwanziger Jahre – die Dithmarscher Mühlengeschichte in einer Linie.





| Bauform | Kennzeichen | Antrieb | Beispiel in Dithmarschen |
|---|---|---|---|
| Bockmühle | Ganzes Gehäuse dreht sich in den Wind | Wind | Vorläufer, im Kreis verdrängt |
| Holländer | Nur die Kappe dreht sich, der Rumpf steht fest | Wind | „Zufriedenheit", Barlt |
| Galerieholländer | Umlaufende Galerie auf halber Höhe des Rumpfs | Wind, teils Motor | „Ursula" Barlt, „Aurora" Hochdonn |
| Kellerholländer | Steht auf künstlich aufgeschüttetem Hügel | Wind, teils Motor | „Margaretha", „Edda", „Fortuna" |
| Wassermühle | Wasserrad oder Turbine statt Flügelkreuz | Wasser | Albersdorf, Nordhastedt |
Bockmühle
Holländer
Galerieholländer
Kellerholländer
Wassermühle

Galerieholländer von 1875, 1923 zur Galerie umgebaut. Das achteckige Rumpfgebäude trägt Windrose und Jalousieflügel, die 1994 erneuert wurden. Zwei Mahlgänge und ein Motorgang sind vollständig vorhanden. Die Mühle mahlt bis heute für die Futtervermahlung.

Windmühle von 1883, ursprünglich ein Kellerholländer, später zum Galerieholländer umgebaut. Erhalten sind der achteckige, hartgedeckte Mühlenrumpf auf Backsteinunterbau, ein erneuertes Stahlflügelkreuz und ein Lagerschuppenanbau. Die Mühle ist heute Außenstelle des Standesamts.

Zweistöckiger Galerieholländer von 1865 mit Segelflügeln und Windrose. Die Einrichtung ist vollständig erhalten: drei Mahlgänge, ein Schälgang und ein Deutz-Dieselmotor von 1937 als Zusatzantrieb. Das Mühlengrundstück wird vom örtlichen Mühlenverein betreut.

Eingeschossiger Galerieholländer, 1860 als Bergholländer erbaut und 1906 umgebaut. Segelflügel und Windrose sind erhalten, dazu eine vollständige Einrichtung mit zwei Gängen. Das Erdgeschoss wird heute als Standesamt und Café genutzt, die Mühle gilt als Hochzeitsmühle.

Kellerholländer von 1845 auf künstlich aufgeschüttetem Hügel. An dieser Stelle stand nachweislich schon im 18. Jahrhundert eine Mühle; 1794 wurde sie durch den heutigen achtkantigen Bau ersetzt. Der Denkmaleintrag umfasst die Mühle, das Müllerwohnhaus und die Kopflinden.

Bergholländer von 1842 mit Reetdach und Holzverkleidung am Unterbau, seit 1886 mit Jalousieflügeln und seit 1912 mit Windrose. Der Müllerbetrieb lässt sich bis 1762 zurückverfolgen; 1998 und 1999 wurde die Mühle saniert. Sie mahlt bis heute Korn für den Eigenbedarf.

Kellerholländer von 1853, errichtet vom Heider Mühlenbauer Christian Claußen über einem mit Erdreich bedeckten Absackkeller. 1970 kamen die Flügel der abgerüsteten Krumstedter Mühle hierher. Heute dient die Mühle als Ferienwohnung für Urlauber oder Gäste.

Wassermühle mit oberschlächtigem Wasserrad an der Gieselau, erstmals 1648 erwähnt und damit die älteste belegte Mühle im Kreis. Bis 1867 war für wasserarme Zeiten zusätzlich eine Windmühle in Betrieb. Zum Denkmal gehören neben dem Mühlengebäude auch Mühlenwehr und Wasserführung am Mühlenteich.

Kellerholländer von 1865 mit achtkantigem Rumpf und Schindel- und Reetverkleidung. Die Kappe wurde rekonstruiert und trägt heute ein Flügelkreuz aus Metall. Die Mühle wurde anstelle einer älteren Bockwindmühle errichtet und dient heute als Wohnmühle; zwei Müllerwohnhäuser stehen nördlich.
Neun Mühlen in einer Runde: vom Geestrand über die Marsch bis an die Küste und zurück ins Binnenland. Die Strecke ist lang – mit dem E-Bike lässt sie sich an einem Tag fahren, mit dem Tourenrad besser auf zwei.
Die Stationen folgen der Reihenfolge, in der sie angefahren werden. Wer unterwegs heiraten will: In Eddelak, Hochdonn und Friedrichskoog sitzen Standesämter in der Mühle.
Ursula
Barlt
Route zur MühleWindbergen
Windbergen
Route zur MühleEdda
St. Michaelisdonn
Route zur MühleGott mit uns
Eddelak
Route zur MühleAurora
Hochdonn
Route zur MühleVergißmeinnicht
Friedrichskoog
Route zur MühleMargaretha
Westerdeichstrich
Route zur MühleFortuna
Dörpling
Route zur MühleWassermühle
Albersdorf
Route zur MühleMehrere Mühlen sind nur nach Anmeldung oder am Pfingstmontag zum Mühlentag geöffnet. Die Querung bei Hochdonn erfolgt über die Kanal-Fähre – Fahrzeiten und Preise vorher prüfen.
Neun Mühlen stehen auf dieser Seite im Porträt. Im Kreis Dithmarschen sind es mehr: Die Denkmalliste des Landesamts für Denkmalpflege führt fünfzehn Wind- und Wassermühlen. Die vollständige Liste gibt es hier als PDF zum Ausdrucken und Mitnehmen.
Alle Mühlen in Dithmarschen
Vollständige Liste mit Ort, Bauform und Baujahr, soweit belegt – auch die Mühlen, die nicht im Porträt stehen. Mit Stand und Quellenangabe.
PDF herunterladen Stand: Oktober 2026
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