Trägt man die Bauzeiten der Brücken über den Nord-Ostsee-Kanal auf eine Zeitachse ein, zeigt sich ein Muster: Dithmarschen hat in zwei Wellen gebaut – einmal um den Kanalbau herum, einmal in den achtziger Jahren.
Die Punkte markieren Bauzeiten, nicht einzelne Jahre. Orange steht für die Brücken aus der Zeit des Kanalbaus, Blau für die der achtziger Jahre, Aubergine für das laufende Bauvorhaben an der A7.
Alle Brücken über den Nord-Ostsee-Kanal haben dieselbe lichte Höhe, aber sie unterscheiden sich in Alter, Länge und darin, wer sie benutzen darf. Ein Blick auf die letzte Spalte erklärt, warum Radfahrer fast immer die Fähre nehmen.
| Brücke | Bauzeit | Länge | Stützweite | Höhe | Rad und Fuß |
|---|---|---|---|---|---|
| Brunsbüttel (B5) | 1979–1983 | 2.830,8 m | 237,00 m | 44 m | nein |
| Hochdonn (Marschbahn) | 1913–1920 | 2.218,10 m | 143,10 m | 56,38 m | nein |
| Grünental (L 316) | 1984–1986 | 405,16 m | 187,00 m | 44,54 m | ja |
| Hohenhörn (A23) | 1984–1989 | 390,5 m | 180,00 m | 47,60 m | nein |
| Rader (A7) | 1969–1972 | 1.497,5 m | 221,54 m | 49 m | nein |
Brunsbüttel (B5)
Hochdonn (Marschbahn)
Grünental (L 316)
Hohenhörn (A23)
Rader (A7)
Nur eine Zeile trägt ein ja: Grünental ist die einzige Brücke, die Fußgänger und Radfahrer über den Kanal lässt.
Fünf Brücken, fünf Höhen – und eine gemeinsame Grenze
Die Balken zeigen die Bauwerkshöhe: die Größe der Brücke selbst, gemessen von der Gründung bis zur Oberkante. Auf den ersten Blick wirken die fünf Werte ähnlich, und das ist kein Zufall. Alle Brücken über den Nord-Ostsee-Kanal müssen dieselbe lichte Durchfahrtshöhe einhalten – 42 Meter über dem höchsten schiffbaren Wasserstand. Diese Zahl steht in der kaiserlichen Bauordnung für den Kanal und gilt bis heute.
Sie erklärt auch, warum die Unterschiede so klein sind. Wer 42 Meter Freiraum für Schiffe schaffen muss, dessen Bauwerk beginnt bei etwa 44 Metern und endet selten über 60. Die Spanne dieser fünf Brücken liegt zwischen 44 und 56 Metern – zwölf Meter, verteilt über mehr als hundert Jahre Baugeschichte.
Den Unterschied machen andere Dinge: die Lage des Baugrunds, die Zahl der Gleise oder Fahrstreifen, die Weite der Spannweite. Die Hochdonner Brücke steht auf einem Geestrücken und kommt deshalb mit weniger Höhe aus als die Rendsburger Schwesterbrücke, die über der flachen Marsch gebaut werden musste. Dort sind es 68 Meter.
Am Kanal kursieren mehrere Höhen, die leicht verwechselt werden. Die Balken oben zeigen die Bauwerkshöhe — die Grösse der Brücke selbst, von der Gründung bis zur Oberkante. Davon zu unterscheiden ist die Durchfahrtshöhe, die für die Schifffahrt zählt.
| Begriff | Was gemessen wird | Wert am Kanal |
|---|---|---|
| Bauwerkshöhe | Die Grösse der Brücke selbst, von der Gründung bis zur Oberkante. | 44 bis 56 m |
| Lichte Durchfahrtshöhe | Der Freiraum für Schiffe zwischen Wasserfläche und Brückenunterkante. | 42 m |
| Reserve darin | Von den 42 Metern sind 40 für das Schiff gerechnet, 2 bleiben als Reserve. | 2 m |
| Stützweite | Der Abstand, den die Brücke zwischen zwei Pfeilern überspannt. | 143 bis 237 m |
| Maßgebender Wasserstand | Der Wasserstand, auf den sich alle Höhen am Kanal beziehen. | Normalnull −0,20 m |
Alle Brücken über den Kanal haben dieselbe lichte Durchfahrtshöhe von 42 Metern. Sie ist keine Erfindung einzelner Ingenieure, sondern eine Vorgabe aus der kaiserlichen Bauordnung für den Kanal und gilt bis heute.
Wer mit dem Schiff den Kanal hinunterfährt, sieht die Hochdonner Brücke von einer Seite, die von Land aus niemand kennt.
Der Überbau liegt auf zwei Strompfeilern, die in der Marsch stehen. Zwischen ihnen bleibt eine Öffnung von 143 Metern – die Stützweite. Das ist der Abstand, den ein Schiff bei voller Fahrt unter der Brücke hindurch durchmisst, und in der Mitte dieser Öffnung liegt die Wasserstrasse, in der sich der ganze Verkehr drängt.
Über der Wasserfläche bleibt eine lichte Durchfahrtshöhe von 42 Metern. Davon sind 40 Meter für das Schiff gerechnet, zwei Meter bleiben Reserve. Die Zahl steht in der kaiserlichen Bauordnung für den Kanal und gilt bis heute, für jede der zehn Brücken.
Wie hoch das Wasser gerade steht, entscheidet mit. Der maßgebende Wasserstand für die Kanalstrecke liegt bei Normalnull minus 20 Zentimetern. Steigt der Wasserstand, schrumpft der Freiraum nach oben, ohne dass sich an der Brücke etwas ändert.
Zwei Meter Reserve klingen nach wenig. Tatsächlich bleibt in der Mitte genug Platz für Schiffe ohne Aufbauten, die den Kanal in langsamer Fahrt durchqueren. Wer von unten nach oben schaut, sieht den Unterschied zwischen eisernem Bauwerk und dem Meter, auf den es ankommt.
Wer die Durchfahrt erleben will, stellt sich auf die Fährstelle oder an einen der Campingplätze am Ufer. Von dort liegt die Brücke im Blick, und man sieht, wie tief sie über dem Wasser sitzt.


An der Grünentaler Hochbrücke hängt auf der Südseite ein Fuß- und Radweg mit. Von allen Brücken über den Nord-Ostsee-Kanal ist sie die einzige, die das bietet.
Wer hinübergeht, merkt, dass die Brücke nicht nur eine Straße trägt. Auf demselben Bauwerk liegen die Fahrbahn der Landesstraße 316 und die Gleise der Bahnstrecke Heide–Neumünster, dazu der Weg für Fußgänger und Radfahrer. Drei Verkehrswege in einem Bauwerk, über eine Spannweite von 187 Metern.
Der Weg ist kein Anhängsel. Er ist der Grund, warum die Brücke für Besucher überhaupt eine Rolle spielt: Man parkt am Kanalufer, geht ein paar Schritte bis zum Auffahrtsdamm und steht danach mitten über der Wasserstrasse, auf halber Strecke zwischen den Ufern.
Die Brücke, die man dabei überquert, ist die zweite an dieser Stelle. Ihre Vorgängerin war eine schmiedeeiserne Bogenbrücke aus den Jahren 1891 und 1892, mit 156,5 Metern die damals weitgespannteste ihrer Art. Sie wurde 1988 abgebrochen. Der heutige Stahlfachwerkbau entstand 1984 bis 1986, hat eine Stützweite von 187 Metern und wiegt 3.595 Tonnen Stahl.
Die Pfeiler reichen tief. Einschliesslich der Senkkästen stehen sie 60 Meter hoch, ihre Gründung im Kanal liegt rund 20 Meter unter dem Wasser. Von oben sieht man davon nichts – nur die Planken, das Geländer und den Kanal, der unter einem durchzieht.
Für den Rückweg lohnt sich der Blick zum anderen Ufer: Von Grünental bis Hohenhörn läuft die Kreisgrenze auf der Dithmarscher Kanalseite, mit sechs historischen Granit-Grenzsteinen.
Wer von Dithmarschen aus nach Hamburg fährt, kommt über die Rader Hochbrücke. Sie liegt bei Borgstedt, östlich von Rendsburg, und gehört damit nicht zum Kreis Dithmarschen – benutzt wird sie hier trotzdem von fast jedem, der die A7 nach Süden nimmt.
Die Brücke wurde 1969 bis 1972 gebaut, ist 1.497,5 Meter lang und 29,5 Meter breit. Mit einer Stützweite von 221,54 Metern und 49 Metern Bauwerkshöhe gehört sie zu den größten Brücken über den Kanal. Ihre Stützweite macht sie zur zweitlängsten Straßenbrücke aus Stahl in Deutschland.
Über den Kanal spannt sie sich seit über fünfzig Jahren. Seit April 2023 baut das Land daneben ihr Nachfolgebauwerk auf.
Bauvorhaben
Seit April 2023 wird neben der alten Brücke ein Ersatzneubau mit sechs Fahrstreifen errichtet.
Geplant ist der Bau bis 2031. Danach wird die alte Brücke abgebrochen.
Für den Weg nach Hamburg ändert sich während der Bauzeit nichts – der Verkehr läuft weiter über die bestehende Brücke.
Grünental
Aussichtsplattform auf dem alten Brückendamm
Die Plattform liegt auf dem Damm der abgebrochenen Bogenbrücke, wenige Schritte vom Parkplatz entfernt. Von hier sieht man die Streben des heutigen Fachwerkbaus und den Kanal darunter. Eine Schutzhütte steht daneben.
Hohenhörn
Fährstelle mit Gastronomie
An der Fährstelle bei Hohenhörn schaut man an der 180 Meter weiten Öffnung der A23-Brücke empor. Die Brücke steht frei über der Marsch, ihre Fahrbahn liegt 47,60 Meter über dem Wasser. Gastronomie liegt direkt daneben.
Hochdonn
Campingplätze am Kanalufer
Am Ufer bei Hochdonn liegen Campingplätze direkt am Kanal. Von den Stellplätzen aus blickt man auf die Strompfeiler und den 143 Meter weiten Überbau der Eisenbahnbrücke – und kann die Durchfahrt vom Land aus verfolgen.
Mit dem Auto
Parken an den Aussichtspunkten
An der Grünentaler Brücke liegt der Parkplatz wenige Schritte von der Plattform entfernt. Auch bei Hochdonn und an der Fährstelle Hohenhörn findet man Stellplätze direkt am Kanal.
Mit dem Rad
Der einzige Übergang für Rad und Fuß
Nur die Grünentaler Brücke führt einen Fuß- und Radweg mit. Wer den Kanal hier queren will, nimmt sie – alle anderen Brücken sind für den Kfz-Verkehr gebaut.
Zu Schiff
Fähren und Ausflugsverkehr
Am Kanal liegen 14 Fährstellen. Wer die Durchfahrt unter einer Brücke erleben will, nimmt eine Fähre oder eines der Ausflugsschiffe und schaut von unten nach oben.
Von der Fähre zu den Brücken
Der Weg zwischen beiden Themen
Die Fährseite beschreibt den Kanal von der Wasserseite: die 14 Fährstellen, die Überfahrten und den Blick auf die Ufer. Auf dieser Seite steht, was den Kanal überspannt – zehn Brücken und zwei Tunnel zwischen Brunsbüttel und Kiel.