Geschichte von 1872–1874, ein Koog für den Kaiser
Die Eindeichung des Koogs fiel in die Jahre um 1872/1874 und wurde vom preußischen Staat finanziert und durchgeführt— nicht, wie die älteren Köge der Region, von privaten Deichbaugesellschaften. Der Koog ist nach Kaiser Wilhelm I.benannt, dessen Namenstag und Popularität nach der Reichsgründung 1871 den Hintergrund abgeben. Die Gemeinde führt seit 1899 ein eigenes Wappen, das 1983 überarbeitet wurde.
Das Wappen ist blogtauglich: In Blau wächst aus dem unteren Schildrand ein goldenes Ährenfeld aus zehn unbegrannten Weizenähren, belegt mit elf Kornblumenblüten in Form eines „W" — dem Anfangsbuchstaben des Kaisers, gebildet aus seiner Lieblingsblume. Darüber drei silberne Möwen mit goldenen Schnäbeln. Die historische Begründung nennt es ikonographisch „fruchtbares, dem Meer abgewonnenes Land" und betont, dass die Kornblumen zeigen, wem dieses Land seine Entstehung verdankt.
Der Ort als „frisches" Land: Am 6. Juli 1983 wurde eine Katastrophe der anderen Art relevant — Sturmflut 1962 hatte die Deiche von Friedrichskoog, Kaiser-Wilhelm-Koog und Dieksanderkoog so schwer beschädigt, dass sie saniert werden mussten. 2012 kam die Gemeinde in die höchste Prioritätsstufe der Deichverstärkung. Der Deichbau an der Westküste ist heute kein Landgewinn mehr, sondern reiner Küstenschutz — die wirtschaftliche Ära der Köge endete 1954 mit dem Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog.
Der eigentliche Star: Windkraft
Am 6. Juli 1983 ging mit GROWIAN die damals größte Windenergieanlage der Welt mit 3 Megawatt Nennleistung ans Netz — ein staatlich gefördertes Prestigeprojekt mit zwei Rotorblättern. Sie scheiterte, wurde 1987 stillgelegt und 1988 demontiert.
24. August 1987: Ersatzweise wurde im Kaiser-Wilhelm-Koog der erste Windpark der Bundesrepublik eröffnet, damals 30 Anlagen, Jahresstromproduktion bei Gründung 19 Mio. kWh.Die Anlage ist heute als Windenergiepark Westküste bekannt.
Die Energie-Transition-Presse bezeichnet den 24. August 1987 gern als eine der Geburtsstunden der Energiewende — die Koog-Projekte inspirierten Nachbargemeinden, eigene Windparks zu bauen; 33 Bürger aus dem benachbarten Lübke-Koog nahmen 1991 Wohnungen und Höfe in Hypotheken, um 2,3 Millionen Mark Eigenkapital für 22 Enercon-Anlagen à 300 kW aufzubringen.
2025 erinnerte der NDR mit einem Beitrag an das Scheitern von GROWIAN, in dem Bürgermeister Hauke Grothusen selbst zu Wort kommt.
Der heutige Windpark läuft mit rund 36 MW Leistung.
Wirtschaft und Landschaft heute
Landwirtschaft prägte den Koog von der ersten Eindeichung an. Auf dem fruchtbaren Marschboden wachsen heute vor allem Kohl, Karotten und Zuckerrüben. Kronprinzen- und Kaiser-Wilhelm-Koog bilden zusammen das größte zusammenhängende Gemüseanbaugebiet im Süden Dithmarschens. Dazu kommen Windenergie und Tourismus. Im Ort gibt es eine Landgaststätte mit Saalbetrieb, die Fahrbücherei hält regelmäßig, und das Gemeindeleben läuft stark über den „Gemeinnützigen Verein Kaiser-Wilhelm-Koog". Seit Ende 2021 gibt es am Gemeindehaus zwei Bouleplätze, in Eigenregie von freiwilligen Helfern gebaut — schöne Alltagsdetail-Anekdote.
Touristisch: Touren durch Felder und Salzwiesen mit Blick über das Wattenmeer, Salzwiesenführungen werden über den Tourismus-Service Friedrichskoog vermittelt. Der Ort ist ca. 9 km von Friedrichskoog entfernt.