Itzehoe, Bunsoh, Eddelak – und eine Woche, die den Kreis nicht losließ

Der Stromausfall vom 18. Oktober ist an dieser Stelle bereits ausführlich beschrieben worden – der Ablauf, die betroffenen Gebiete und die Kontaktwege stehen in den beiden Beiträgen „Was am 18. Oktober 2026 passiert ist" und „Stand drei Tage danach". Dieser Wochenrückblick setzt deshalb anders an: Es geht um die Woche danach. Um das, was in der Ursachenanalyse inzwischen dazugekommen ist, um die Regulierung der Schäden, die jetzt konkret anläuft – und um die anderen Dithmarscher Themen, die in dieser Woche daneben stattgefunden haben: eine neue Spur im Eddelak-Fall, eine unterspülte Landstraße und eine Katastrophenschutzübung, die ausgerechnet das Szenario probte, das eine Woche zuvor Realität war.

 

Die Ursachenanalyse: Von der Einzelspur zum Systembefund

Neu in dieser Woche ist der qualitative Sprung in der Analyse. Am 22. Oktober teilte SH Netz mit, dass die Untersuchung nicht mehr nur auf ein einzelnes Bauteil gerichtet ist: Untersucht wurden in den betroffenen Regionen Maste, Leiterseile, Umspannwerke, Transformatoren, Überspannungsableiter und Ortsnetzstationen, teils mithilfe von Drohnen, dazu die Stromflüsse und Spannungszustände während des Ereignisses über die Daten der Netzleitstelle. Das Ergebnis: Die bisherigen Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass mehrere technische Umstände zusammengewirkt haben könnten. Die genaue Ursache und die Abfolge der Ereignisse sind weiterhin offen – und wegen der hohen Komplexität sind nun externe Gutachter hinzugezogen worden, um belastbare Erkenntnisse zu gewinnen.

 

 

Damit steht die Sache anders da als am 21. Oktober, als dieselbe Mitteilung das beschädigte Leiterseil im Raum Itzehoe in den Mittelpunkt rückte. Dieses Leiterseil bleibt ein Befund – es wurde repariert und ist wieder in Betrieb –, aber es ist nicht das Ergebnis. Auch die beiden Leitplanken, die SH Netz in dieser Woche ausdrücklich gesetzt hat, gehören dazu: Nach derzeitigem Erkenntnisstand gibt es keine konkreten Hinweise auf einen Anschlag und keine auf eine ungewöhnlich hohe Einspeisung durch erneuerbare Energien als Ursache. Und eine Spur, die in den ersten Tagen durch die Berichterstattung ging, hat in den offiziellen Mitteilungen dieser Woche keinen Platz mehr: Ein Transformatordefekt als Auslöser ist nicht bestätigt.

Zur Einordnung, was in dieser Woche dazukam und was nicht: Ein Überspannungsableiter im Umspannwerk Friedrichstadt und eine Kettenreaktion im Umspannwerk Linden, die am Nachmittag erneut Tausende Haushalte vom Netz nahm, sind Folgen der Überspannung – nicht ihre Ursache.

 

Was die Brände mit der Ursache zu tun haben – und was nicht

Die Feuer in Bunsoh, Tellingstedt, Osterrade, Sarzbüttel, Schafstedt und Süderheistedt sind bereits dokumentiert. Was in dieser Woche in der Ursachenanalyse deutlicher wurde, ist ihr rechtlicher Status: Die Polizei geht davon aus, dass eine zeitweise zu hohe Spannung im Netz die Brände ausgelöst haben könnte. Eine Bestätigung steht aus – sie hängt an derselben offenen Analyse wie die Ursache selbst. Wer die Brände also als Beleg für einen bestimmten technischen Defekt liest, überdehnt den Stand.

Schadensregulierung: Was jetzt konkret weiterhilft

Bei den Grundlagen ist seit dem letzten Beitrag wenig neu. Neu ist, dass die Regulierung diese Woche eine Adresse bekommen hat. SH Netz hat am 21. Oktober ein zentrales Online-Formular eingerichtet, über das Betroffene ihre Fälle melden können: Schadensformular von SH Netz. Bis dahin waren rund 2.000 Kundenanfragen eingegangen; es wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die die technischen Standorte bei Erfassung und Regulierung unterstützen soll.

Der Zusammenhang, der in dieser Woche wichtig wird: Solange der technische Hintergrund nicht feststeht, will SH Netz die Ersatzfähigkeit nicht pauschal beurteilen. Die Anliegen werden nach Eingang einzeln geprüft und die Kunden anschließend kontaktiert – berechtigte Ansprüche sollen dann nach den gesetzlichen Vorschriften reguliert werden. Bei der Menge der Anfragen wird das dauern. Für Betroffene heißt das: melden, dokumentieren, warten – aber nicht darauf warten, bis die Ursache geklärt ist, um überhaupt zu melden.

Inhaltlich nachgeschärft hat in dieser Woche die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein: Überspannungsschäden lassen sich grundsätzlich auch über den Netzbetreiber geltend machen – über die Haftungsregeln der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) und das Produkthaftungsgesetz. Ein konkretes Verschulden des Netzbetreibers müssen Betroffene dabei nicht nachweisen; nach der Rechtsprechung stellt eine Überspannung einen Produktfehler dar, für den der Betreiber verschuldensunabhängig als Hersteller haftet. Je nach Anspruchsgrundlage können aber Haftungsgrenzen oder ein Eigenanteil von 500 Euro greifen. Entscheidend bleibt der Nachweis, dass der Schaden durch die Überspannung entstanden ist.

Praktisch sind es fünf Schritte, die Betroffene jetzt gehen sollten:

  1. Unverzüglich melden – beim Netzbetreiber über das Formular, und parallel bei der Versicherung.
  2. Beweise sichern: beschädigte Geräte, Steckdosen und elektrische Anlagen fotografieren; festhalten, wann und unter welchen Umständen die Schäden aufgetreten sind.
  3. Defekte Geräte aufbewahren und nicht entsorgen – sie können später begutachtet werden müssen.
  4. Rechnungen und Kaufbelege der betroffenen Geräte sichern.
  5. Wer einen Elektriker im Haus hatte: bitten, die Schadensursache nach eigener Einschätzung schriftlich festzuhalten.

Ein Punkt, der in der Berichterstattung dieser Woche mehrfach auftauchte und der über die Technik hinausgeht: Die Abwicklung ist für viele Betroffene eine Zumutung – gerade für ältere Menschen. Aus mehreren Gemeinden kam die Rückmeldung, dass Hilfe beim Ausfüllen und Dokumentieren nötig ist. Wer Zeit hat, kann hier im eigenen Umfeld am wirksamsten helfen.

Eddelak: Neue Hinweise im Fall von 2020, erste Beweismittel sichergestellt

Mehr als sechs Jahre nach dem Tod eines 31-Jährigen in einem brennenden Reetdachhaus in Eddelak kommt Bewegung in die Ermittlungen. Das Haus in der Averlaker Straße war in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag, dem 10. April 2020, vollständig niedergebrannt. Tagelang galt der 31-jährige Bewohner als vermisst – fünf Tage später schlugen Leichenspürhunde in der Brandruine an und fanden stark verbrannte menschliche Überreste. Die damalige rechtsmedizinische Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass der Mann gewaltsam zu Tode gekommen sein könnte; seither ermittelt die Kriminalpolizei wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts.

Nach dem erneuten Zeugenaufruf der Staatsanwaltschaft Itzehoe und der Mordkommission der Bezirkskriminalinspektion Itzehoe sind mehrere Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Die Mordkommission verfolgt nach eigenen Angaben inzwischen vielversprechende Ermittlungsansätze und hat erste Beweismittel sichergestellt. Bereits am Montag hatte sich laut Polizei eine neue Spur ergeben. Zu den Hinweisen und den sichergestellten Beweismitteln machen Polizei und Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben. Die Ermittler bitten weiterhin um Hinweise aus der Bevölkerung.

L236: Reparatur nach Starkregen – und noch kein Ende der Sperrung in Sicht

Während der Stromausfall den Sonntag bestimmte, war die Landstraße 236 schon vorher zum Thema geworden: Infolge außergewöhnlich starker Regenfälle am 10. und 11. Oktober war die Fahrbahn zwischen Nordhastedt und Odderade stark unterspült und beschädigt worden, stellenweise sackte sie ein. Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) musste die Strecke am Sonntagvormittag, 11. Oktober, aus Verkehrssicherheitsgründen vollsperren; der parallel verlaufende Gehweg blieb begehbar.

Nachdem der LBV.SH mit Hochdruck eine Baufirma gesucht hatte, starteten die Reparaturarbeiten am Dienstag, 20. Oktober. Erneuert werden muss die Fahrbahn auf etwa 40 Metern Länge und sechs Metern Breite. Unklar war zu diesem Zeitpunkt noch der Zustand des Durchlasses, der unter dem Asphalt und den Betonrandbalken liegt – erst wenn er freigelegt ist, lässt sich der Sanierungsaufwand feststellen. Die Bauzeit wird auf etwa 14 Tage veranschlagt, die Dauer der Vollsperrung ließ sich zunächst aber nicht abschließen vorhersagen. Zum Vergleich: Die L236 wird von rund 2.000 Fahrzeugen am Tag genutzt.

Die ausgeschilderte Umleitung führt über Nordhastedt und Albersdorf zur L236 nach Sarzbüttel und umgekehrt. Für Busfahrgäste gibt es weitere Einschränkungen: Vom 19. Oktober bis 20. November ist die L139 auf Höhe des Burger Ortseingangs gesperrt (Buslinien 290 und 291, Umleitung über Brickeln, entfallende Haltestellen Burg Stieweg, Burg Tannenblick und Buchholz Hauptstraße), ein weiterer Abschnitt folgt ab Dezember mit der L153 zwischen Barsfleth und Thalingburen. Und ab Montag, 26. Oktober, geht es auch auf der B5 zwischen Heide und Hemme weiter: Der Streckenabschnitt wird winterfest gemacht, eine neue Baufirma ist gefunden.

Übung „Kilowatt": Der Ernstfall, eine Woche nach dem Ernstfall

Der bemerkenswerteste Termin der Woche war die Katastrophenschutzübung „Kilowatt" am Samstag in Harrislee (Kreis Schleswig-Flensburg). 160 Einsatzkräfte aus dem ganzen Land probten den großflächigen Stromausfall – darunter die Feuerwehrbereitschaft Dithmarschen mit Löschzug Nord, Mitte und Süd, das THW, das DRK, die Regieeinheit IuK Dithmarschen und das Doku-Team des Kreisfeuerwehrverbands. Der Kreis Dithmarschen organisierte 48 freiwillige Übungsdarsteller.

Das Szenario: In der Nacht hat ein unbekannter Angreifer einen wichtigen Energieknotenpunkt zerstört, seitdem ist der Kreis Schleswig-Flensburg ohne Strom. Bei Kälte und Dunkelheit mussten die Einsatzkräfte mehrere Notlagen gleichzeitig bewältigen – etwa Menschen in einem Gebäude, die gerettet werden mussten, störende Zivilisten und Gefahren durch improvisierte Zustände. Die Übung reiht sich in eine Serie: Bereits eine Woche zuvor hatte der Kreis Dithmarschen mit einer eigenen Blackout-Übung geprobt, und im September 2026 hatte der Katastrophenschutz in Pinneberg erprobt, wie ein Lebensmittelwerk bei Stromausfall mit mobilen Netzersatzanlagen versorgt werden kann. Die drei Anlagen dieser Art werden in Pinneberg, Steinburg und Dithmarschen vorgehalten.

Der Zeitpunkt war kein Zufall: Eine Woche zuvor hatten dieselben Einsatzkräfte in der Realität erlebt, was hier geprobt wurde.

Ausblick

Zwei Dinge gehören in der kommenden Woche auf den Kalender. Erstens: die Ursachenanalyse. SH Netz setzt sie mit externen Gutachtern fort; bis belastbare Erkenntnisse vorliegen, werden sich auch die Fragen zur Schadensregulierung nicht abschließend beantworten lassen. Zweitens: die eigene Meldung. Für sie gibt es kein Verfallsdatum nach ein paar Tagen – aber die Empfehlung, den Schaden unverzüglich und mit gesicherten Nachweisen einzureichen, weil fehlende Belege die Regulierung erschweren, nicht verzögern.

Und jetzt noch kurz an Sie

Während ich diese Zeilen schreibe, pfeift es draußen schon wieder ordentlich. Sturmtief „Manja" zieht an diesem Sonntag über den Norden, der Deutsche Wetterdienst warnt an der Nordsee vor schweren Sturm- bis Orkanböen, in exponierten Lagen sind bis zu 130 Stundenkilometer möglich, und für die Westküste sind zusätzlich Sturmfluten im Gespräch. Es ist das zweite Tief binnen weniger Tage – „Luise" hat in der vergangenen Nacht kaum mehr als eine Verschnaufpause gelassen. Für alle, die bei diesem Wetter rausmüssen: Passt auf euch auf. Und für alle, die am Freitag noch mit Wasser im Keller oder einem durchgeschmorten Gerät zu tun hatten – ich hoffe, dass inzwischen wieder etwas Ruhe eingekehrt ist.

Nach diesem Wochenrückblick noch ein Satz in eigener Sache. Ich schreibe hier seit einiger Zeit über diesen Kreis, und wenn ich eines in den vergangenen Tagen gelernt habe, dann dieses: Dithmarschen hält zusammen, aber es hält nicht immer von allein. Deshalb, bevor die neue Woche losgeht, drei Bitten, die Sie nichts kosten:

 

 

Damit wünschen wir Ihnen einen ruhigen Start in die neue Woche: eine, in der der Wind nachlässt, in der möglichst nichts Neues kaputtgeht und in der Sie vielleicht irgendwo bei einer Tasse Kaffee sitzen, während draußen die Bäume wackeln. Kommen Sie gut durch die nächsten Tage – und wenn Ihnen unterwegs etwas begegnet, das hier in den Blog gehört, schreiben Sie uns einfach.